Keratokonus – Kontaktlinsen in Landshut

Beim Keratokonus wird die Hornhaut dünner und wölbt sich langsam kegelförmig vor. Sie verliert dabei ihre gleichmäßige Krümmung. Genau das ist der Punkt, an dem eine Brille an ihre Grenze kommt: Brillengläser gleichen regelmäßige Fehler aus, keine unregelmäßige Oberfläche.

Die Erkrankung beginnt meist zwischen der Pubertät und dem dritten Lebensjahrzehnt. Sie schreitet dabei selten gleichmäßig voran, sondern eher in Schüben – Phasen der Veränderung wechseln sich mit Jahren ab, in denen sich nichts tut. Um das vierzigste Lebensjahr kommt sie in aller Regel zum Stillstand, weil die Hornhaut mit dem Alter stabiler wird. Wer früh betroffen ist, hat statistisch die schnelleren Verläufe vor sich – ein Grund, gerade bei Jugendlichen genau hinzuschauen.

Eine Sorge vorweg, weil sie fast jeder nach der Diagnose hat: Ein Keratokonus führt nicht zur Erblindung. Er verzerrt das Sehen und kann es erheblich verschlechtern, aber er nimmt Ihnen nicht das Augenlicht. Früher galt die Erkrankung als sehr selten – seit die Hornhauttopografie zum Standard gehört, werden deutlich mehr Fälle gefunden, viele davon in milder Ausprägung.

Woran Sie einen Keratokonus bemerken

Typisch ist, dass die Sehstärke nicht stabil bleibt. Wer innerhalb weniger Monate mehrfach eine neue Brille braucht und trotzdem nie richtig zufrieden ist, sollte die Hornhaut vermessen lassen. Dazu kommen Beschwerden, die sich mit einer Brille nicht erklären lassen:

  • verzerrtes oder „verschmiertes" Sehen, das sich mit Brille nicht wegkorrigieren lässt
  • Doppel- oder Mehrfachbilder auf einem Auge, auch wenn das andere geschlossen ist
  • Lichthöfe und Strahlenkränze um Lampen und Scheinwerfer, besonders nachts
  • zunehmende Blendempfindlichkeit
  • deutlich schlechteres Sehen in der Dämmerung – nicht selten fällt der Keratokonus zum ersten Mal beim Sehtest für den Führerschein auf
  • im weiteren Verlauf ein spürbarer Unterschied zwischen beiden Augen
  • eine Hornhautverkrümmung, die von Messung zu Messung ihre Achse ändert

Ein Hinweis, der oft untergeht: Häufiges kräftiges Augenreiben gilt als Risikofaktor für das Fortschreiten. Wer juckende Augen hat – etwa bei einer Allergie –, sollte die Ursache behandeln lassen, statt zu reiben.

Welche Kontaktlinsen bei Keratokonus helfen

Formstabile Kontaktlinsen spielen hier ihre eigentliche Stärke aus. Zwischen Linse und Hornhaut steht ein dünner Tränenfilm, der optisch wie eine zusätzliche Linse wirkt und die unregelmäßige Oberfläche ausgleicht. Das Ergebnis ist häufig eine Sehschärfe, die mit Brille nicht erreichbar wäre – für viele Betroffene der Moment, in dem sie zum ersten Mal seit Langem wieder klar sehen.

Reicht eine übliche formstabile Linse nicht aus oder wird sie nicht vertragen, gibt es Sonderformen:

  • Sklerallinsen sind größer und stützen sich auf der Lederhaut ab, nicht auf der empfindlichen Hornhaut. Sie überbrücken den Kegel vollständig und liegen in einem Flüssigkeitspolster – das macht sie oft auch dann noch verträglich, wenn andere Linsen versagen.
  • Hybridlinsen verbinden ein formstabiles Zentrum mit einem weichen Rand: die Optik der einen, der Tragekomfort der anderen Bauart.
  • Huckepack-Systeme setzen eine formstabile Linse auf eine weiche Trägerlinse, die als Polster dient.
  • Speziell gefertigte weiche Linsen mit verdicktem Aufbau kommen bei milderen Formen infrage.

Welche Bauart passt, entscheidet nicht der Schweregrad allein, sondern auch, wie empfindlich Ihre Augen sind und was Sie im Alltag brauchen. Deshalb probieren wir aus, statt nach Schema zu versorgen.

Was Kontaktlinsen können – und was nicht

Kontaktlinsen stellen das Sehen wieder her. Sie halten den Keratokonus aber nicht auf. Wer Ihnen erzählt, eine Kontaktlinse könne den Keratokonus zurückdrängen, sagt nicht die Wahrheit.

Das Fortschreiten bremsen kann die Hornhautvernetzung, auch Crosslinking genannt – ein augenärztlicher Eingriff, bei dem die Kollagenfasern der Hornhaut stabiler vernetzt werden. Er heilt den Keratokonus nicht und macht Kontaktlinsen nicht überflüssig; er soll verhindern, dass es schlimmer wird. Damit die Krankenkasse ihn übernimmt, muss in der Regel belegt sein, dass die Erkrankung tatsächlich fortschreitet – und genau dafür sind unsere Verlaufsmessungen nützlich: Sie dokumentieren die Veränderung über die Zeit.

Umgekehrt gibt es einen Eingriff, der bei Keratokonus nicht infrage kommt: das Augenlasern. Dabei wird Hornhautgewebe abgetragen – bei einer ohnehin zu dünnen Hornhaut wäre das genau das Falsche. Wenn Ihnen jemand eine Laserkorrektur anbietet, obwohl ein Keratokonus bekannt ist, holen Sie eine zweite Meinung ein.

Reicht die Sehleistung trotz aller Linsen nicht mehr aus, bleibt als letzter Schritt die Hornhauttransplantation. Auch danach ist meist wieder eine formstabile Linse nötig, um die volle Sehschärfe zu erreichen – die Versorgung endet also nicht mit der Operation. Wir stimmen uns in all dem mit Ihrer Augenarztpraxis ab.

Wie wir bei Keratokonus anpassen

Am Anfang steht die 3D-Vermessung der Hornhaut. Sie liefert ein exaktes Höhenmodell der Oberfläche – die Grundlage für die Berechnung der ersten Probelinse und zugleich der Ausgangswert, an dem sich spätere Messungen vergleichen lassen. Zusätzlich beurteilen wir den vorderen Augenabschnitt und die Qualität des Tränenfilms.

Mit der Videospaltlampe sehen wir in Echtzeit, wie die Linse auf dem Auge sitzt: wo sie aufliegt, wo sie abhebt, wie der Tränenfilm unter ihr verteilt ist. Diese Aufnahmen bleiben dokumentiert und lassen sich über Jahre vergleichen.

Eine Keratokonus-Anpassung braucht Zeit und in aller Regel mehrere Termine – das ist kein Zeichen dafür, dass etwas nicht funktioniert, sondern normaler Teil des Vorgehens. Erst wenn Sitz, Verträglichkeit und Sehschärfe zusammenpassen, wird die endgültige Linse bestellt.

Zahlt die Krankenkasse Kontaktlinsen bei Keratokonus?

Keratokonus ist eine der neun Indikationen, bei denen die Hilfsmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses Kontaktlinsen zur Verbesserung der Sehschärfe ausdrücklich vorsieht. Damit die Kasse zahlt, muss allerdings zusätzlich die allgemeine Anspruchsvoraussetzung erfüllt sein: bei Erwachsenen eine Sehschärfe von 0,3 oder weniger auf dem besseren Auge trotz bestmöglicher Brille, ein beidäugiges Gesichtsfeld von 10 Grad oder weniger, oder ein Refraktionsfehler ab 6,25 Dioptrien beziehungsweise ab 4,25 Dioptrien Astigmatismus. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre entfällt diese zweite Hürde.

Bei Keratokonus kommt Ihnen eine Regel entgegen, die sonst eher hinderlich ist: Formstabile Linsen gelten als Regelversorgung. Genau die brauchen Sie hier ohnehin – weiche Linsen wären der Sonderfall, der besonders begründet werden müsste.

Für fortgeschrittene Fälle gibt es einen zweiten, oft günstigeren Weg: Die Richtlinie führt Kontaktlinsen auch als therapeutische Sehhilfe. Verordnungsfähig sind sie dort bei ausgeprägtem, fortgeschrittenem Keratokonus mit krankhaften Hornhautveränderungen und einem Hornhautradius unter 7,0 Millimetern sowie nach einer Hornhauttransplantation. Der Vorteil: Für therapeutische Sehhilfen gilt die oben genannte Sehschärfen-Hürde nicht – hier zählt der augenärztliche Befund.

Die Verordnung stellt in beiden Fällen eine Augenärztin oder ein Augenarzt aus. Welcher Weg in Ihrem Fall der richtige ist, hängt vom Befund ab – wir sagen Ihnen vorher, was voraussichtlich übernommen wird und was nicht, bevor Kosten entstehen.

Häufige Fragen zu Keratokonus

Wird der Keratokonus durch das Tragen von Kontaktlinsen schlimmer?

Nein. Eine gut angepasste Linse liegt auf einem Tränenfilm und drückt den Kegel weder flach noch treibt sie ihn voran. Wichtig ist die richtige Anpassung: Eine Linse, die dauerhaft auf der Kegelspitze aufliegt, kann die Hornhaut reizen. Genau deshalb kontrollieren wir den Sitz mit der Videospaltlampe und sehen uns die Hornhaut bei jeder Kontrolle an.

Ich habe formstabile Linsen schon einmal nicht vertragen. Bringt ein neuer Versuch etwas?

Oft ja. Unverträglichkeit liegt häufiger an Geometrie, Material oder Durchmesser als an der Person. Sklerallinsen zum Beispiel berühren die empfindliche Hornhaut gar nicht – viele, die kleine formstabile Linsen aufgegeben haben, kommen damit gut zurecht. Bringen Sie Ihre alten Linsen mit, dann lässt sich meist rekonstruieren, woran es gelegen hat.

Wie lange dauert eine Keratokonus-Anpassung?

Rechnen Sie mit mehreren Terminen über einige Wochen. Der erste dauert etwa eine Stunde und umfasst Vermessung, Beurteilung und das erste Probetragen. Danach folgen Kontrolltermine, bei denen Geometrie oder Material nachjustiert werden. Erst wenn alles zusammenpasst, wird die endgültige Linse bestellt.

Muss ich zuerst zum Augenarzt?

Für die Diagnose und für eine Verordnung zulasten der Krankenkasse: ja. Für ein Beratungsgespräch und eine Hornhautvermessung bei uns: nein. Wenn unsere Messung einen Verdacht ergibt, sagen wir Ihnen das und empfehlen die augenärztliche Abklärung.

Kann man am Keratokonus erblinden?

Nein. Ein Keratokonus verzerrt das Sehen und kann die Sehschärfe erheblich herabsetzen, führt aber nicht zur Erblindung. Selbst in fortgeschrittenen Stadien lässt sich mit formstabilen Linsen oder Sklerallinsen meist eine brauchbare Sehschärfe erreichen; für die seltenen Fälle, in denen das nicht mehr gelingt, gibt es die Hornhauttransplantation.

Kann ich mit Keratokonus Sport treiben?

Ja. Formstabile Linsen können bei ruckartigen Bewegungen verrutschen – für Ballsport und Kampfsport sind Sklerallinsen oder eine Sportbrille über weichen Linsen die bessere Wahl. Beim Schwimmen gilt wie für alle Kontaktlinsen: nicht mit offenen Augen ins Wasser, wegen der Keimbelastung. Wir besprechen, was zu Ihrem Sport passt.

Ist Keratokonus erblich?

Es gibt eine familiäre Häufung, aber keine einfache Vererbung. Wenn ein Elternteil oder Geschwister betroffen sind, ist eine Hornhauttopografie sinnvoll – gerade im Jugendalter, weil ein früh erkannter Keratokonus die besseren Möglichkeiten offenhält. Die Messung ist berührungslos und dauert wenige Sekunden.

Wir freuen uns auf Sie

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